Unsere Hundeschule half in Duisburg

Ein Bericht aus Duisburg über unsere Hundeschule, nachdem wir bei der Erziehung eines drei Jahre alten Doggen-Rüden geholfen hatten.

Dogge Carlos in unserer Hundeschule - eine lange Geschichte:

T. Sch.

Dogge aus Duisburg

 

Liebe Familie Lütjohann, liebes Team der Hundeschule am Kiekutsee,

nachdem Carlos (Dogge, Rüde, 3 Jahre alt) nun schon wieder einige Zeit zu Hause ist, möchte ich mir einmal alles von der Seele schreiben. Der Brief wird bestimmt ausführlich, aber nehmen Sie sich doch irgendwann mal die Zeit, ihn zu lesen.

Angefangen hatte alles im August 2008. Eines Tages brachte mein Bruder eine knapp zehn Wochen alte Deutsche Dogge mit nach Hause. Nach relativ kurzer Zeit hatte er aber das Interesse an dem Tier verloren. Carlos verbrachte den Tag nur noch im Garten und in der Wohnung. Er hatte gar keinen Kontakt mehr zur Außenwelt.

Mir tat Carlos einfach leid und damit begann „Meine Geschichte mit Carlos“:
Wir besuchten zunächst zwei verschiedene Hundeschulen in der Umgebung. Dort kam richtig Frust auf, denn wie sollte man vernünftig arbeiten, wenn bis zu 20 Hundebesitzer mir ihren Hunden anwesend waren? Wenn wir die Hundewiese betraten stürmten mindestens acht nicht angeleinte Hunde auf uns zu und ich hatte Mühe Carlos abzuleinen, da die anderen Hunde bereits wild um uns herum sprangen.

Carlos war zwar körperlich größer, aber viel jünger als die anderen. Sobald ich ihn abgeleint hatte, rannte er los und die ganze Meute hetzte hinter ihm her. Keiner half mir in dieser Situation. Gehorsam lernte Carlos dort nicht. Im Gegenteil, er wurde richtig ungestüm. Irgendwann wollte er dann nicht mehr aus dem Auto, wenn er die Hundewiese gesehen hat.

Meine vier erwachsenen Kinder hatten keine Probleme mit Carlos, aber sie gingen ja auch nicht mit ihm spazieren und sahen nicht, wie wild er an der Leine zog. Wenn er ein anderes Tier sah, machte er einen Satz nach vorne und für mich galt dann der Satz „Die mit der Dogge flog“.

Dann wurde uns ein Hundetrainer empfohlen, der Einzelstunden gab.

Nach telefonischer Kontaktaufnahme wurde ein Treffpunkt ausgemacht. Es war ein abgelegenes Waldgebiet mit Wiesenflächen drum herum. Carlos musste ich sofort ableinen, denn der Herr wollte meinen Hund kennen lernen. Carlos war mittlerweile 14 Monate alt. Er rannte wie ein Wilder und genoss wohl seine Freiheit, während es mir gar nicht gut ging. Irgendwann kam er dann aber zu uns zurück.

Dann folgten zwei weitere verzweifelte und hilflose Jahre, mit folgenden Empfehlungen: Stachelhalsband (weil ich ein Elektrohalsband ablehnte), ein Halsband, das Wasser sprühte und mit einer Fernbedienung funktionierte, schließlich ein Halti, an dem die Führleine befestigt war.

Carlos änderte sich nicht, ich selbst wollte anderen Hunden nur noch aus dem Weg gehen, durfte das laut Hundetrainer aber nicht. Ich hatte in der ganzen Zeit immer wieder blaue Flecken und Prellungen am ganzen Körper. Wie oft ich Nasenbluten hatte, weiß ich nicht mehr. Carlos hatte eben mehr Kraft als ich. Einmal bin ich beim Abrufen von ihm seitlich am Oberschenkel getroffen worden und ich flog über meinen Hund und landete unsanft wieder auf dem Boden. Bei der Begegnung mit einem kläffenden Hund zog Carlos so stark, dass ich hinfiel und mir das Handgelenk brach.

Dann hatte dieser Trainer eine Wiese angemietet, auf der er mit uns arbeitete. Carlos musste dort Slalom laufen, über Hürden springen und durch einen Flattervorhang laufen. Zerrspiele waren auch gern gesehen. Bei Ungehorsam musste ich Carlos auf den Kopf schlagen, tat ich das nicht, wurde gemeckert. War auf der Wiese ein anderer Hund, musste Carlos im Auto bleiben und tobte dann wie wild in seiner Box, weil er ja den anderen Hund sah.

An dieser Hundewiese ist dann folgendes passiert:

Carlos sollte ins Auto springen, ich hatte ihn noch an der Leine. Plötzlich lief ein Kaninchen oder eine Katze schnell vorbei, Carlos zog wie wild an der Leine, mein Mittelfinger war aber dazwischen. Das Ergebnis war ein Trümmerbruch, der mit drei Schrauben in einer Operation gerichtet wurde. Danach musste ich noch vier Wochen eine Schiene tragen, die mit zwei Stäben im Finger befestigt war.

Carlos blieb wieder nur der Garten und die Hundewiese, keiner ging mehr mit uns spazieren. Das Schlimmste für mich geschah dann aber im Mai 2011: Die Freundin meines Sohnes hatte Carlos mehrmals ins Gesicht gepustet (das hatte ich nicht gesehen), sie nannte das „Spielen“ mit dem Hund. Carlos hatte zugeschnappt. Zwei je 5 cm lange Wunden über dem Ohr, die genäht werden musste. Die Ärzte empfahlen Anzeige zu erstatten.

Ich war alleine mit meinem Carlos, keiner kümmerte sich um uns. Ich bekam Angst, was nun geschieht, würde man mir den Hund etwa wegnehmen, wenn sich das Ordnungsamt einschaltet? Ich wusste jetzt wirklich nicht mehr, wie es weitergehen sollte, war das das Ende?

Es musste doch eine Hundeschule geben, die uns helfen konnte...

Dann fiel mir das Internet ein, denn in unserer Umgebung wollte ich nicht mehr suchen. Dort fand ich Ihre Internetseite. Obwohl ich noch nie von Ihnen gehört hatte, waren Sie sofort für mich diejenigen, von denen ich Hilfe erwarten konnte, zumal ich die Briefe von anderen Leidgenossen immer wieder gelesen hatte. Ich schickte eine Email und bat um einen Rückruf. Der kam auch sehr schnell. Am Ende stand der Termin fest, wann Carlos bei Ihnen vorgestellt werden sollte.

Bei der Ankunft zeigte sich Carlos natürlich von seiner besten Seite, er tobte in der Box im Auto und draußen zog er mich direkt zum nächsten Strauch. Im Büro angekommen folgte ein längeres Gespräch und Carlos wurde beobachtet. Ja, Carlos musste wohl längere Zeit dableiben. Der Abschied war nicht einfach. Aber dafür folgten viele Anrufe, in denen ich mich nach meinem Carlos erkundigen konnte. Wer auch am Telefon war, immer erhielt ich genaue Auskünfte. Jetzt wusste ich, dass ich den richtigen Schritt für eine gemeinsame Zukunft mit Carlos getan hatte, denn mein jetzt drei Jahre alter Hund machte Fortschritte.

Dann kam der große Tag des Wiedersehens. Mit meinen Kindern und deren Partnern fuhr ich zum Kiekutsee. Wir wurden nett empfangen und erhielten eine ausführliche Einweisung, wie wir in Zukunft unser Verhalten gegenüber Carlos ändern müssen. Dann endlich sah ich Carlos, meinen großen Jungen wieder. Erst dachte ich, er würde uns nicht wieder erkennen, aber auf einmal begrüßte er uns, als wenn wir nur Stunden getrennt gewesen wären.

Eine Woche täglich Einzelunterricht in der Hundeschule.

Es folgte eine Woche, in der ich täglich Einzelunterricht erhielt, um den neuen Umgang mit Carlos zu erlernen, damit ich nun endlich die Führung übernehmen konnte.

Wieder zu Hause angekommen, habe ich jetzt einen ausgeglichenen Hund, der auf mich hört. Wir können in Ruhe am Tisch sitzen und essen, Carlos bleibt auf seinem zugewiesenen Platz. Wenn er im Garten ist und ich ihn rufe, kommt er sofort. Einen Sprung nach vorn gab es beim Spaziergang bisher nicht.

Im Umgang mit dem Hund sind wir alle sehr viel ruhiger geworden, weil Carlos auch viel ausgeglichener ist. Wir wissen alle, dass wir uns an bestimmte Regeln halten müssen, weicht einer davon ab, wird er direkt auf den Fehler hingewiesen.

Wir alle möchten Ihnen danken, Ihnen und Ihrem Team für das, was Sie aus Carlos gemacht haben. Mein besonderer Dank geht an Ramona Lütjohann, die sehr viel Verständnis für mich zeigte und die auch jetzt immer noch telefonisch für mich da ist.

Viele Grüße aus Duisburg
T. Sch. und Carlos