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Niereninsuffizienz bei Lohmann Oder: Besser mehrere Diagnosen von verschiedenen Stellen einholen

Ein Neufundländer verzieht die Lefzen zu einer Grimasse.
Lohmanns Gesichtsausdruck nach den Ergebnissen des erstens Blutbilds. Der Schock war groß...

Bei unserem Neufundländer Lohmann wurde vorletzte Woche Blut abgenommen, um ein großes Blutbild machen zu lassen. Es gab keine Symptome, die uns hierzu bewegt hatten, sondern sollte lediglich eine Kontrolle sein, ob alles in Ordnung ist. Viele Dinge lassen sich im Blut schon feststellen, bevor man am Hund selbst eine Veränderung bemerkt.
Die Blutuntersuchung war für uns reine Routine mit der Erwartung, dass schon alles in Ordnung sein wird.

Untersuchung im externen oder im praxiseigenen Labor?

Da keine Symptome vorhanden waren, hatten wir es mit den Ergebnissen der Blutuntersuchung nicht eilig. Das Blut ließen wir also von unserer Tierärztin in ein namenhaftes Labor einschicken. Dieser Weg nimmt immer einige Tage in Anspruch, wohingegen die Blutuntersuchung im eigenen Labor unserer Tierärztin Ergebnisse binnen 30 Minuten liefert. Allerdings kostet es auch rundweg das dreifache.

Dass die Untersuchung im praxiseigenen Labor beim Tierarzt deutlich teurer ist als die Untersuchung in einem externen Labor, ist auch normal. Im externen Labor werden größere Geräte genutzt, sodass viele Proben gleichzeitig untersucht werden können. Außerdem ist die Auslastung der Laborgeräte natürlich deutlich höher als beim Tierarzt selbst.

Ergebnis: Nierenfunktion sehr stark eingeschränkt.

Ein paar Tage, nachdem das Blut weggeschickt wurde, erhielt unsere Tierärztin die Werte vom Labor. Sie rief uns an und teilte uns folgendes Ergebnis mit: Mehrere Werte waren schlecht und zeigten an, dass Lohmanns Nieren nur noch stark eingeschränkt funktionierten. Bei diesen Werten, so sagte unsere Tierärztin, ist anzunehmen, dass die Nieren nur noch zu 25% ihre Arbeit verrichteten.

Während unsere Tierärztin am Telefon immer weiter redete, schossen uns Gedanken voller Angst kreuz und quer durch den Kopf und die Tränen in die Augen. Lohmann wird dieses Jahr im Sommer erst sechs Jahre alt. Da denkt man an Bergfest und die nächsten sechs Jahre. Mit dieser Diagnose hätte sich seine Lebenserwartung allerdings drastisch verringert. Das traute sich aber niemand auszusprechen.

Die Tierärztin redete weiter von Behandlungsmöglichkeiten, Nierendiätfutter, ob es nicht vielleicht doch Symptome gegeben hat und und und. Wir saßen einfach nur sprachlos am anderen Ende der Leitung und versuchten, unsere Emotionen und Gedanken wieder unter Kontrolle zu bekommen. Dann die erlösende Aussage der Tierärztin: „Ihr nehmt jetzt eine Urinprobe und kommt mit Lohmann zu mir. Wir nehmen nochmal Blut ab und untersuchen das in meinem Labor. Vielleicht hat es im externen Labor eine Verwechslung gegeben.“

Ein Neufundländer schnüffelt im Gras.
Wie im schlechten Film: 60 Minuten emotionale Achterbahnfahrt. Sollte unser Lohmann tatsächlich ohne jegliche Anzeichen hierfür eine Niereninsuffizienz haben?

Schock und Hoffnung zugleich.

Wir schnappten uns Lohmann und einen Behälter für die Urinprobe. Was folgte waren zehn angepinkelte große Steine, eine vollgepinkelte Hand und ein wenig Urin im Glas. Für eine Urinuntersuchung sollte es aber reichen. Also Lohmann ins Auto und los zu Tierärztin (vorher Händewaschen).

Sie nahm sofort Blut ab, während wir – immernoch geschockt, aber mit Hoffnung auf eine Blutprobenverwechslung – neben Lohmann auf dem Fußboden der Praxis saßen. Während das praxiseigene Labor Lohmanns Blut untersuchte, untersuchte die Tierärztin seinen Urin.

Erste Feststellung: Das spezifische Gewicht des Urins war normal. Bei einer Niereninsuffizienz hätten der Wert jedoch niedrig sein müssen. Unsere Hoffnung wuchs weiter.

Das praxiseigene Labor brauchte noch, sodass wir mit Lohmann wieder nach Hause fuhren. Auf dem Heimweg schon der erste Anruf von unserer Tierärztin: Erste Werte wären fertig, im grünen Bereich und somit komplett anders als beim externen Labor. Erleichtert und mit wachsender Hoffnung legten wir wieder auf.

Alles wieder gut!
Ein Neufundländer steht mit orangenem Ball im Maul auf einer Wiese.
Es bestätigt sich für uns immer wieder: Beim Menschen wie auch beim Tier sollten bei solchen Ergebnissen immer mehrere Diagnosen eingeholt werden. Das kann manchmal alles ändern.

Zwanzig Minuten später der zweite Anruf unserer Tierärztin: Das Labor ist komplett fertig und alle Werte sind gut! Nichts deutete mehr auf eine Niereninsuffuzienz hin!

Wie groß unsere Erleichterung war und ist, können wir gar nicht in Worte fassen! Es hat sich wieder einmal bestätigt, dass einschneidende Dinge nicht nur von einer Stelle bestätigt werden sollten, bevor man daran glaubt und anfängt zu reagieren. Natürlich könnten jetzt auch die Ergebnisse des praxiseigenen Labors angezweifelt werden, doch in Verbindung mit den nicht vorhandenen Symptomen und der Urinuntersuchung sind diese Ergebnisse einfach schlüssig.

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