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Hundeinternat

Ein weiß-schwarzer Hund schnüffelt dicht am Gesicht einer blonden Frau.
Innigen Kontakt zwischen Mensch und Hund gibt es auch im Hundeinternat.

Kaum ein Thema aus dem Bereich der Hundeerziehung ist so umstritten wie die Erziehung des Hundes in einem Hundeinternat. Berichtet ein Hundehalter seinem Umfeld, sein Hund sei derzeitig in einem Hundeinternat, hagelt es sofort von allen Seiten massive Kritik.

In Internetforen reicht oftmals schon die reine Frage nach persönlichen Erfahrungen mit einem Hundeinternat aus, damit sich die negativen Reaktionen einer wilden Meute überschlagen.

Bemerkenswert dabei ist, dass sich die Kritiker fast alle mit einer festen Meinung zum Thema „Hundeinternat“ äußern, aber kaum jemand von ihnen diese Meinung auf persönliche Erfahrungen stützen kann.

Dem betroffenen oder auch nur interessierten Hundehalter wird pauschal von Bequemlichkeit bis hin zu mangelnder Liebe seinem Hund gegenüber alles Mögliche vorgeworfen.

Wir werden das Thema „Hundeinternat“ an dieser Stelle näher beleuchten, unter anderem auf Vorteile und Vorurteile eingehen, den Ablauf erklären und hoffentlich ein wenig Licht ins Dunkel bringen können.

Das Prinzip "Hundeinternat"

In einem Hundeinternat wird der Hund „fremdausgebildet“. Das bedeutet, dass nicht der Hundehalter selbst seinem Hund das erwünschte Verhalten beibringt, sondern der Hund eine gewisse Zeit durchgängig in einer Hundeschule verbringt. Unter der professionellen Anleitung der Hundetrainer lernt der Hund in dieser Zeit die vom Hundehalter gewünschten Verhaltensweisen. Es ist wie ein Bildungsurlaub für den Hund.

Anschließend werden Hund und Halter wieder zusammengeführt und der Hundehalter wird an seinem bereits erzogenen Hund geschult. Es gibt also immer nur einen Lehrling zur Zeit und nicht Mensch und Hund gleichzeitig.

Ein Kangal springt an der Leine auf einen Dackel zu.
Der Hundehalter muss natürlich eine neue Routine im Umgang mit dem Hund erlernen.

Der Ablauf NACH dem Hundeinternat

Hundeinternate verzaubern keine Hunde, sie „programmieren“ sie auch nicht um und machen auch keine Maschinen aus ihnen. Hundeinternate vermitteln dem Hund neue Verhaltensweisen, die jedoch auch der Hundehalter in Zukunft konsequent einfordern muss. Es wird sich bei konsequenter Umsetzung nach der „Umgewöhnung“ anschließend eine neue Routine zwischen Hund und Halter einstellen.

Nur wenn der Hundehalter das im Hundeinternat erlernte Verhalten an seinem Hund konsequent fortführt, kann die Veränderung des Hundes auch von Dauer sein. Aus diesem Grund erfolgt nach der Ausbildung des Hundes immer die unerlässliche Schulung des Hundehalters. Diese geschieht in der Regel in Theorie und Praxis.

In unserem Hundeinternat erhalten die Hundehalter am Tag der Abholung des Hundes zunächst eine theoretische Schulung. Anschließend erfolgt das Wiedersehen mit dem Hund. Nach der freudigen und sehr emotionalen Begrüßung zwischen dem Hund und den Menschen folgt der erste praktische Einzelunterricht.

Am Folgetag nach der Abholung gibt es den ersten telefonischen Kontakt mit unserem Hundetrainer, um die Ankunft und die ersten Spaziergänge zu besprechen sowie Fragen zu beantworten. Der telefonische Kontakt bleibt in den nächsten Wochen sehr eng. Bei allen Fragen, die der Hundehalter hat, kann er uns anrufen, damit wir diese Fragen beantworten können. Hierfür sind wir sieben Tage die Woche von 9:00 bis 18:00 Uhr telefonisch erreichbar. Dieses Angebot gilt ein Hundeleben-lang!

Die Hundehalter werden zudem beim Erlernen der neuen Verhaltensroutine durch regelmäßigen praktischen Einzelunterricht betreut.

Die Vorteile eines Hundeinternates für den Hund

Ein großer Hund schaut aufmerksam zur Hundetrainerin auf.
Unter professioneller Anleitung kann auch der Hund besser und schneller lernen.

Der Hund, der in seiner (in der Regel nicht kurzen) Vergangenheit bereits mit seinem zunehmend verunsicherten Besitzer zig verschiedene Trainingsansätze durchlebt hat, erfährt im Hundeinternat - wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben - eine durchgängig verlässliche und verständliche Führung. An dieser Führung kann er sich orientieren.

Unter der professionellen Anleitung eines hierfür ausgebildeten Pädagogen (dem Hundetrainer) wird dem Hund im Hundeinternat das erwünschte Verhalten beigebracht. Diese Anleitung des Hundes ist nun nicht mehr fehlerbehaftet und ungenau - wie sie es durch den Laien (den Hundehalter) gewesen wäre. Das hat zur Folge, dass der Hund nicht mehr durch den Menschen verunsichert wird und er somit besser und schneller lernen kann.

Eltern studieren auch nicht zuerst Lehramt, um anschließend ihrem Kind selbst Rechnen, Lesen und Schreiben beizubringen, sondern geben diese Aufgabe an qualifizierte Pädagogen ab.

Die Vorteile eines Hundeinternates für den Hundehalter

Nach der Erziehung eines Hundes im Hundeinternat gibt es nur noch einen Lehrling, nämlich den Hundehalter.
Dieser muss nun aber dem Hund nicht mehr ein bestimmtes Verhalten beibringen, sondern das bereits erlernte Verhalten „nur“ noch abrufen. Zudem muss er sein eigenes Verhalten gemäß der Hundehalterschulung konsequent ändern, damit sein Hund in ihm nun auch eine verlässliche Souveränität erkennen kann.

Bereits mit dieser deutlich weniger aufwändigeren Aufgabe ist die Mehrheit der Hundehalter gut beschäftigt. Die Umstellung der eigenen, menschlichen Verhaltensroutine wird nur zu oft unterschätzt.

Vorurteile gegenüber einem Hundeinternat

Es gibt viele Vorurteile über Hundeinternate. Wir führen an dieser Stelle die gängigen an und erläutern diese kurz.

Der Hund wird im Hundeinternat auf jeden Fall leiden und sich definitiv nicht wohlfühlen.

Auch dieses Vorurteil können wir nicht bestätigen. Am aussagekräftigsten sind diesbezüglich wahrscheinlich die Videos unserer Hundeerziehung.

Der Hund wird seinen Besitzer nicht wiedererkennen.

Diese Behauptung lässt sich de facto aus der Praxis nicht bestätigen! In unserer Hundeschule und Hundepension haben seit 1983 alle Hunde ihre Besitzer auch nach längeren und langen Aufenthalten sofort wiedererkannt.

Wie gut das Gedächtnis eines Hundes ist, zeigt sich in vielen alltäglichen Situationen wie zum Beispiel folgenden:

  • Wer bereits mehrmals in derselben Unterkunft mit seinem Hund einen Urlaub verbracht hat, wird bemerkt haben, dass der Hund bei einem erneuten Aufenthalt in dieser Urlaubsunterkunft alles wiedererkennt. Auch wenn der letzte Aufenthalt mehrere Wochen, Monate oder gar Jahre zurückliegt.
  • Wenn ein Mitglied aus einer hundehaltenden Familie für Monate im Ausland/Krankenhaus/zur Kur ist, erkennt der Hund dieses Familienmitglied bei der Rückkehr auch wieder.
Der Hund verliert Vertrauen und Bindung zu seinem Besitzer.

Auch diese Behauptung können wir aus unserer praktischen Erfahrung heraus nicht bestätigen. Bedingt durch das Wiedererkennen knüpft ein Hund auch an die bisherige Beziehung an. Deswegen ist die Hundehalterschulung, die das Verhalten des Besitzers ändern soll, von so großer Bedeutung!

Es gibt keine Garantie, dass der Hund nach der Ausbildung im Hundeinternat für immer und ewig bedingungslos „funktioniert“.

Natürlich gibt es das nicht. „Funktionieren“ tut ein Lebewesen sowieso NIE!

Das Merkwürdige ist: Kaum ein Hundeinternat behauptet das! Im Gegenteil: Sie weisen vielmehr darauf hin, dass nach Abschluss der Hundeerziehung auch der Hundehalter im erforderlichen Umgang mit dem Hund geschult werden muss.

Stellen Sie sich vor, auch Hundeinternatsbetreiber wissen, dass sie mit Lebewesen und nicht mit Maschinen arbeiten und dass es für die Veränderung einer Beziehung zwischen Hund und Mensch eine Veränderung auf BEIDEN Seiten geben muss und nicht nur auf einer.

Hundeinternate arbeiten alle (!) mit Gewalt, Geschrei, Stachelhalsband und Stromhalsband.

Nein, das tun sie nicht. Jeder Hundetrainer vertritt eine Philosophie und mit dieser Philosophie erzieht er auch die Hunde in seinem Hundeinternat. Nur weil ein Hundetrainer alleine sprich ohne den Besitzer mit dem Hund arbeitet, mutiert er ja nicht automatisch zum Tierquäler.

Gewalt, Geschrei, Stachel- und Stromhalsband entsprechen unserer Philosophie jedenfalls nicht und folglich auch nicht der Arbeitsweise in unserem Hundeinternat.

Schwarze Schafe werden Sie in jedem Beruf finden. Die Behauptung, dass jedes Hundeinternat ein schwarzes Schaf ist, ist jedoch äußerst albern.

Man weiß nicht, was genau mit dem Hund im Hundeinternat gemacht wird.

Das stimmt. Der Hundehalter muss dem Hundeinternat vertrauen. Aus diesem Grund lernt man sich im Vorfeld in einem persönlichen Gespräch kennen.

Vertrauen muss auch jeder Hundehalter einer Hundepension oder Hundetagesstätte entgegen bringen. In diesem Fall ist der Hundehalter immerhin auch nicht anwesend. Dennoch wird in diesem Zusammenhang dieser Vorwurf nicht so massiv erwähnt.

Vorwürfe gegenüber betroffenen oder interessierten Hundehaltern

Wer es wagt, auch nur Interesse an einer Internatsausbildung des Hundes zu zeigen oder sogar seinen Hund in einem Hundeinternat abgegeben hat, wird niedergemacht. Es hagelt Vorwürfe wie diese:

  • Der Hundehalter ist zu faul oder zu blöd, um seinen Hund zu erziehen. Außerdem macht er es sich leicht.
  • Wenn der Hundehalter bisher keine Zeit, Ahnung, Geduld oder Muße für die Erziehung seines Hundes hatte, wird er dies auch nach dem Aufenthalt im Hundeinternat nicht haben.
  • Hundeerziehung macht Spaß und diesen Spaß und dieses gemeinsame Lernen, sollte jeder gute Hundehalter doch gemeinsam mit seinem Hund erleben wollen.
  • Man müsse doch als Hundehalter gemeinsam mit seinem Hund wachsen und alle Höhen und Tiefen gemeinsam durchleben wollen.
  • Der Hundehalter möchte zwar einen Hund haben aber keinen Aufwand, ihn zu erziehen.

Wenn ich solche Aussagen höre oder lese, werde ich sauer. Leicht machen tun es sich lediglich die Menschen, die solche Pauschalaussagen tätigen. Eine Eigenschaft wie Mitgefühl anderen Hundehaltern gegenüber scheint ihnen abhandengekommen zu sein.

Es gibt immer:

Die Leidensgeschichte VOR dem Hundeinternat

Zwei Menschen knien glücklich neben ihrem Hund.
Nicht alle Hundehalter schaffen es alleine, mit ihrem Hund so glücklich zu sein wie diese.

Während die pauschalen Vorwürfe gegen die Hundeinternate und gegen die Hundehalter aus vielen Menschen ungebremst heraussprudeln, wird nach dem Grund für diese Entscheidung oder dieses Interesse gar nicht erst gefragt.

Als Hundeinternatsbetreiber seit 1983 können wir sagen, dass die Entscheidung, den Hund ins Hundeinternat zu geben, in der Mehrheit aller Fälle weder der erste Schritt noch eine leichtfertige Entscheidung seitens der Hundehalter ist.

Entgegen der gängigen Vorwürfe in Richtung „Bequemlichkeit“ ist die Mehrheit unserer Internatskunden bereits in mehreren Hundeschulen gewesen. Und es gab leider kein angemessenes Verhältnis von „Höhen und Tiefen“, die Hund und Halter gemeinsam erlebt haben. Es gab stattdessen mehr Tiefen als Höhen. Das heißt, die Beziehung entwickelte sich negativ. Über Monate. Oft bereits über Jahre. Der Leidensdruck ist auf beiden Seiten - Mensch wie Hund - groß.

Die Gründe hierfür sind vielfältig und es würde jeglichen Rahmen sprengen, sie an dieser Stelle zu ausführlich zu erläutern.

Entscheidend ist die Kernaussage:

Der Leidensdruck war groß und es wurde bereits vieles seitens der Hundehalter versucht. Leider gab es keinen Erfolg, sodass das Zusammenleben für Mensch und Hund mit tagtäglichem Stress verbunden war.

Fazit zum Thema "Hundeinternat"

Eine junge Frau spielt und schmust mit zwei Hunden.
Dass der Hund unter dem Aufenthalt im Internat leidet, stimmt so nicht.

Es muss nicht jeder Hundehalter bereit sein, seinen Hund in einem Hundeinternat ausbilden zu lassen. Die pauschale Verurteilung derer, die diese Bereitschaft haben oder ein Hundeinternat betreiben, ist jedoch äußerst unangemessen.

Niemand behauptet, dass ein Hundeinternat die einzige Möglichkeit ist, ein harmonisches Zusammenleben mit seinem Hund führen zu können.

Es gibt aber durchaus Hundehalter, deren Beziehung zum Hund bereits so viele gescheiterte gemeinsame Versuche durchlaufen hat, dass Resignation den Platz der Hoffnung eingenommen hat. Wenn dann ein Hundeinternat diesen Menschen mit ihren Hunden doch noch zu einem entspannten und harmonischen Zusammenleben verhelfen kann, ist doch alles gut.

Wer pauschal behauptet, dass der Hundehalter es sich mit einem Hundeinternat leicht macht, der möge sich doch bitte zuerst nach dem bisherigen Weg und der Leidensgeschichte zwischen Hund und Halter erkundigen. Anschließend kann man sich ein Urteil darüber erlauben, was „leicht“ ist und was nicht.

Wer pauschal behauptet, dass die Erziehung in einem Hundeinternat nicht von Dauer ist, der möge sich bitte über den konkreten Ablauf einer solchen Ausbildung und die „Versprechen“ eines Hundeinternates informieren. Gegen etwas zu wettern, was nie jemand behauptet hat, ist einfach substanzlos.

Wir persönlich können Ihnen versichern, dass wir bereits sehr vielen Hunden und Hundehaltern zu einem harmonischen Zusammenleben verhelfen konnten.

Gerne können Sie

Raymond Lütjohann,
Sachverständiger des Bundes im Beruf Tierpfleger
für die Arbeitsbereiche Hundeerziehung und Tierpflege

 

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